Kurt Tucholsky in Friedenau und an anderen Orten

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Harte Arbeit für den Frieden – Schicksale rund um die beiden Friedenauer „Weltbühne“-Publizisten Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky

von Karin Mühlenberg

Erschienen in: Berlindabei – Friedenau & Umgebung, Ausgabe 8;  Januar – Juli 2013.*

 

Harte Arbeit für den Frieden - Schicksale rund um die Friedenauer „Weltbühne"-Publizisten Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky. S.1. Berlindabei - Friedenau und Umgebung Ausgabe 8, Seite 42Die ehemaligen Friedenauer Bewohner Kurt Tucholsky und der Nobelpreisträger Carl von Ossietzky gaben während der Weimarer Republik die bedeutende linksintellektuelle Zeitschrift „Die Weltbühne Wochenzeitschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft“ heraus. Dort sowie in anderen Publikationen und Organisationen engagierten sie sich mit ihren Artikeln für Frieden und Demokratie. Doch das schien gefährlich: Mit Beginn des Naziregimes wurde die Zeitschrift im März 1933 verboten. Das bereits gedruckte letzte Heft der „Weltbühne“ musste noch vor Auslieferung vernichtet werden. Deshalb jetzt zur Erinnerung: der 80. Jahrestag des Nichterscheinens der „Weltbühne“ am 14. März 2013. Mit einem Beitrag von Frank Flechtmann.

Eine der ersten in Deutschland approbierten Ärztinnen hieß Else Weil. Die lebenslustige junge Frau lebte damals in der Kaiserallee (heute Bundesallee) 79 in Friedenau, wo sie 1918 eine Arztpraxis eröffnet hatte. Sie war 1912 unter dem Namen Claire sogar in die Literaturgeschichte eingegangen – als Jugendliebe in dem Erstlingswerk „Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte“ von Kurt Tucholsky. Das Buch hatte aufgrund seines unkonventionellen Inhalts viel Erfolg. Tucholsky zog später für eine Weile zu seiner Frau nach Friedenau, weil das Paar 1920 geheiratet hatte. Er schrieb durch persönliche Krisen hindurch mit Pausen hauptsächlich für „Die Weltbühne“, die 1905 als Theaterzeitschrift „Die Schaubühne“ von Siegfried Jacobsohn gegründet worden war.

Bald schon nach Erscheinen von „Rheinsberg“ war Tucholsky 1913 noch als Jurastudent mit dieser Zeitschrift schicksalhaft in Kontakt gekommen. Jacobsohn wurde für ihn für lange Zeit zum entscheidenden Mentor. Unter Tucholskys Einfluss erweiterte sich das Spektrum der Zeitschrift auf wirtschaftliche und politische Themen, was sich schließlich 1918 in der Änderung zum Titelnamen „Die Weltbühne“ niederschlug.

Zeitweilig war er ihr Chefredakteur, zeitweilig ihr Auslandskorrespondent in Paris. Doch zunächst wurden seine Schreibtätigkeiten für das Blatt unterbrochen: Tucholsky konnte sich dem Einsatz im Ersten Weltkrieg nicht entziehen. Er wurde an die Ostfront nach Kurland im heutigen Lettland und nach Bukarest in Rumänien geschickt. In diesem Krieg begegnete er seiner großen Liebe Mary Gerold, die er 1924 im Standesamt Friedenau heiratete. Von ihr wurde er 1933 zwar auch geschieden,

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