Kurt Tucholsky in Friedenau und an anderen Orten

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Am Freitag, dem 10. März, verkündete Hitler in einem Aufruf an SA und SS: „Mit dem heutigen Tage hat in ganz Deutschland die nationale Regierung die vollziehende Gewalt in Händen.“ Am Montag, dem 13. März, als die „Weltbühne“ verboten wurde, trat Goebbels als Chef des neuen Propagandaministeriums sein Amt an. Am Dienstag konnte Heft 11 der „Weltbühne“ nicht mehr erscheinen. Am Mittwoch folgte in der Künstlerkolonie am Breitenbachplatz eine Razzia mit der ersten Bücherverbrennung in Berlin. In der dortigen Wohnung Tucholskys hielt sich seine Frau Mary auf; bereits in einem Durchsuchungsbericht vom 8. März war festgehalten, man habe „nur seine Ehefrau angetroffen“.

Über die Webseite http://frank.flechtmann.net kann die komplette Einleitung heruntergeladen werden. Der Reprint ist nicht mehr lieferbar, alle anderen Hefte sind im Internet in Wikisource einsehbar: de.wikisource.org/wiki/Die_Schaubühne_–_Die_Weltbühne

In Wien, dann in Prag und Paris wurde die Zeitschrift bis 1939 zunächst unter dem Titel „Wiener Weltbühne“, dann als „Die neue Weltbühne“ von ihren emigrierten Autoren fortgeführt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erschien das Blatt bis 1993 wieder unter ihrem ehemaligen Titel „Die Weltbühne“ in Ost-Berlin, von der Witwe Maud von Ossietzky herausgegeben. Daraus ging nach komplizierten Rechtsstreitigkeiten zum einen „Ossietzky, die Zweiwochenzeitschrift für Politik, Kultur, Wirtschaft“ in Hannover hervor. Zum anderen wurde in Ost-Berlin „Das Blättchen“ ebenfalls als Zweiwochenschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft als Nachfolger gegründet. In der ursprünglichen „Weltbühne“ waren Beiträge von Schriftstellern wie Erich Kästner, Else Lasker-Schüler, Arnold Zweig, Kurt Hiller, Armin T. Wegner oder Hilde Walter zu finden. Tucholsky selbst verfasste insgesamt mehr als 1600 Beiträge für das Blatt. Zwei Artikel erschienen 1920, im Jahr ihrer Eheschließung, auch von Else Weil – sie schrieb über die umstrittene Tuberkulose-Impfung.

Über das weitere Schicksal der Ärztin und Tucholsky-Ehefrau Else Weil ist nicht viel bekannt, es hat sich 1942 in Auschwitz verloren. Sie scheint eine bemerkenswerte Frau gewesen zu sein. Erst 1997 konnte aufgrund des Gästebuchs im Kurt Tucholsky Literaturmuseum in Rheinsberg eine Spur zu ihr aufgenommen werden: Dort hatte sich die in London lebende Nichte eingetragen. 2010 gab das Museum den Band „Else Weil. Fragmente eines deutsch-jüdischen Lebensweges“ von Peter Böthig und Alexandra Brach heraus. Bereits 2008 war im Hentrich & Hentrich Verlag in der Reihe „Jüdische Miniaturen“ ein kleines Büchlein von Sunhild Pflug über Else Weil erschienen, über die Tucholsky geschrieben hatte: Sie war „die klügste Frau, die ich kennengelernt habe. Ich war ein bisschen mit ihr verheiratet.“

Vielleicht können Sie sich an Frau Dr. med. Else Weil in ihrer Praxis oder an anderen Orten erinnern? Möglicherweise haben Sie in diesem Zusammenhang selbst Personen kennengelernt und können weitere Einzelheiten beisteuern? Ich würde mich sehr über Ihre Hinweise per E-Mail an biographie@akameo.de oder telefonisch unter 030.6114705 freuen.

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